Biene, Nektar, violette Blume | © Othmar Seehauser
Kraftquelle Bienenwald
Sarah
Autor Sarah Meraner
Tag Natur & Nachhaltigkeit

Kraftquelle Bienenwald

„Biene weg. Regal leer.” – stand auf Postern leerer Regale eines Supermarktes, der aufzeigen wollte, wie wenig Lebensmittel ohne die Existenz von Bienen übrig bleiben würden. Denn wenn wir uns nicht darüber klar werden, wie wichtig die gestreiften Insekten für uns sind, wird mit ihnen auch unsere Nahrungsgrundlage verschwinden. 

Die für uns Menschen lebenswichtige Bestäubungsarbeit der Biene geschieht ganz nebenbei: Während sie mit ihrem Rüssel süßen Nektar aus den Blüten holt, verfängt sich in ihrem Haarkleid Blütenstaub. An den Blütennarben der nächsten Blume, die die Biene anfliegt, bleiben die Pollen hängen – auf diese Weise wird die Blume bestäubt und nur so kann sich eine Frucht bilden. 

Biene weg. Regal leer.

Von Wild- und Honigbienen

Die Besträubungsarbeit der oft kleineren und wendigeren Wildbiene ist besonders effizient, weil sie auch jene Pflanzen anfliegt, die für die normale Honigbiene nur schwer zugänglich sind. 450–500 Wildbienenarten gibt es in Südtirol – und Experten sind sich einig: Es wird ihnen leider nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdienen. Strukturarme Landschaften ohne Nistplätze und Blütenangebot, Monokulturen, häufiges Mähen und Pestizide machen den Wildbienen das Leben schwer. Honigbienen sind weniger gefährdet als ihre wilden und einzelgängerischen Artgenossen, weil sich Imker um sie kümmern und sie nicht der Umwelt ausgeliefert sind. Dabei braucht es sie beide, Honig- und Wildbienen – und das in einem gesunden Gleichgewicht, damit auch letztere eine Überlebenschance haben.

„Was wäre, wenn …”

In China ist das Horror-Szenario „Leben ohne Bienen” bereits traurige Realität. Durch eine rücksichtslose Landwirtschaftspolitik wurde der dortige Bienenbestand so stark dezimiert, dass in vielen Landstrichen die Bewohner die Bestäubung heute von Hand erledigen. Auch bei uns nimmt die Zahl an Wildbienen ab und leider ist den meisten Menschen ihre Wichtigkeit nicht klar. 

Gut, dass es Imker und Menschen wie den Waldpädagogen Georg Kirchmaier gibt. In Karneid, im Ortsteil Steinegg/Gummer, hat Kirchmaier in Zusammenarbeit mit dem Imkerverein und der Gemeinde Karneid einen Lehrbienenstand und einen Erlebnisrundweg mit sechs Wissenstationen geschaffen. Er zeigt die Bedeutung und die besonderen Lebensräume der Biene auf, wie Au, Weiher, Weide und Wald, und welche Pflanzen und Tiere im Leben der Wild- und Honigbiene bestimmend sind.  Sechs informative Stationen erklären entlang des Rundweges, wie sich die Biene ihre Kraftplätze im Laufe des Tages und der Saison aussucht. Am Lehrbienenstand leben außerdem fünf verschiedene Bienenvölker. 

Im Sommer begleitet Georg Kirchmaier Interessierte immer dienstags bei einer Führung im Bienenwald. Treffpunkt ist der Parkplatz Egger Moos um 10 Uhr – weitere Infos dazu gibt es beim Tourismusverein Steinegg, Tel. +39 0471 619560.

Skifahrer Abfahrt König Laurin Piste - Rosengarten im Abendrot | © Carezza Dolomites/Harald Wisthaler
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