Lama Trekking am Prennergut-Hof in Welschnofen

Datum
24.09.2018
Tags
Familie , Natur

Lama Trekking am Prennergut-Hof in Welschnofen

Wolliges Wohlgefühl

Mit der Familie beim Lama-Trekking im Eggental

Die meisten Kinder wünschen sich sehnlichst eine Katze oder einen Hund. Wer die treuherzigen Blicke aus glänzenden Kinderaugen kennt, weiß, wie schwer es ist, diesen auf Dauer zu widerstehen: Nach mehr oder weniger langer Wartezeit zieht irgendwann ein Kätzchen, ein knickohriger Hundewelpe oder ein possierliches Meerschweinchen in die Familienwohnung ein. Oder doch wenigstens ein Goldfisch. Juli allerdings, unser Töchterchen, wünscht sich nichts sehnlicher als – ein Lama! Und obwohl wir am grünen Stadtrand Berlins leben, übersteigt die Haltung eines Lamas dann doch unsere elterliche Wunscherfüllungsbereitschaft. So blieb Julis Betteln – mal abgesehen von den gefühlt zweihundert Plüschlamas – bisher zur ihrem großen Leidwesen unerhört.

Bis … ja, bis wir vor zwei Jahren bei der Urlaubsplanung auf Denise und Dieter Bologna im Südtiroler Eggental stießen. Auf deren Hof, dem Prennergut-Hof, züchten sie doch tatsächlich Lamas! Nun können Sie sich vorstellen, dass seither natürlich kein Weg daran vorbei führt, unseren alljährlichen Sommerurlaub genau dort zu verbringen: in Welschnofen im Eggental.

Das Glück hat einen Namen …

… und der lautet: Rooney. Das kaffeebraune Andenkamel ist eines der inzwischen über 100 Tiere, die die Lama- und Alpakazucht der Bolognas zählt. Schon als Neugeborenes verblüffte er seine Zieh-Eltern mit seiner Zähigkeit und Widerstandskraft. Und nichts, wirklich gar nichts, bringt Julis Augen so sehr zum Strahlen wie die Aussicht darauf, einen Nachmittag an der Seite von Rooney zu verbringen. Seit dem Frühstück zappelt sie also heute schon voller Vorfreude herum und springt mit einem glücklichen Glucksen aus dem Auto, sobald dieses in der Einfahrt zum Stehen kommt.

Ein Königreich für ein Lama

Für gewöhnlich erzählt Dieter seinen Gästen zunächst ein wenig von seinen Tieren, ihrer Herkunft und Geschichte, stellt die kalabresischen Herdenschutzhunde vor, die mit den Paarhufern leben und sie vor möglichen Gefahren schützen, und gibt schmunzelnd Einblick in die charakterlichen Eigenheiten von Stuten-Chefin Bellissima oder Alpaka-Hengst Pablo, der die Gesichter seiner Besucher sanft beschnuppert, so dass es aussieht, als gäbe er ihnen ein Küsschen. Die Leidenschaft und Freude, mit der Denise und Dieter ihren Hof betreiben, sucht ihresgleichen. An jeder Ecke kann man sie fühlen, sie spricht aus jedem Wort und Blick der beiden. Und aus der ausgezeichneten Gemütsverfassung ihrer tierischen Zöglinge – selbst Laien wie wir erkennen auf den ersten Blick, dass alle Bewohner des Hofs offensichtlich entspannt und bester Dinge sind. Das Prennergut ist wahrlich ein Königreich für ein Lama!

Wir „Wiederholungstäter“ brauchen natürlich keine allgemeine Einführung mehr, und so ziehen Dieter und seine Frau gleich mit Juli und den Halftern von Rooney, Iron und Chamois los, um die drei Herren von der Weide zu holen. Für die Spaziergänge – oder auch ausgedehnte Bergtouren – werden nämlich nur die friedfertigen Hengste eingesetzt, während die … nun ja, etwas eigenwilligen Stuten auf ihrer großen Wiese weitergrasen dürfen.
 

Schulter an Schulter

Für den heutigen Nachmittag haben wir uns einen leichten Spaziergang über die Promenade hinunter ins Dorf und wieder zurück vorgenommen. Jeder von uns stellt sich an die linke Schulter seines Lamas und nimmt dadurch gewissermaßen Kontakt mit ihm auf. Die feinfühligen Tiere reagieren nämlich nicht auf gesprochene Kommandos oder das Ziehen am Halfter, sondern passen sich über den Körper- oder vielmehr „Fellkontakt“ geschmeidig dem Schritt ihres Führers an. Dadurch können selbst kleine Kinder die beglückende Erfahrung machen, ein Lama ganz eigenständig zu führen – wobei Denise oder Dieter natürlich immer ein aufmerksames Auge auf die Tiere und ihre kleinen Begleiter haben. Nach etwa zwanzig Minuten andächtigem Getrappel auf dem von mächtigen Fichten gesäumten Kiesweg erreichen wir eine weite Wiese, wo wir zu Julis Lieblingspart kommen: Hier dürfen die Lamas grasen – und ausgiebig gestreichelt und beschmust werden. Auch ich fahre immer wieder durch die unglaublich weiche, dichte Wolle und stelle erstaunt fest, wie ungemein wohltuend die wortlose Interaktion mit den freundlichen Tieren ist. Das selige Grinsen im Gesicht meines Mannes bestätigt mir, dass es ihm genauso geht. Und das Leuchten in den Augen unserer Tochter könnte es an Strahlkraft locker mit einer 60-Watt-Glühbirne aufnehmen …

Lama & Alpaka trekking unterm Rosengarten | © Prennergut Welschnofen
Lama & Alpaka Prenngergut Welschnofen | © Prennergut Welschnofen
Lama & Alpaka  | © Prennergut

Zum Abschied ein Küsschen

Zutiefst entspannt machen wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hof. Während wir uns mit Denise und Dieter über ihre Mangalitza-Wollschweine unterhalten, die neben Gänsen und indischen Laufenten ebenfalls auf dem Prennergut leben, lobt Juli „ihren“ Rooney für sein feines Fell und sein vorbildliches Verhalten beim Spaziergang. Und verspricht, ganz bald wiederzukommen – „Morgen muss ich mit Papa ein bisschen Schwimmen üben, im Pool, weißt du, aber übermorgen komm ich dich wieder besuchen, wenn ich darf!“ Und ja, das war ganz gewiss nicht unser letzter Ausflug zu den Lamas in diesem Urlaub!
Bevor wir für heute aufbrechen, machen wir noch einen obligatorischen Abstecher in den Stall der Hengste – ohne ein Abschiedsküsschen von Pablo können wir nämlich unmöglich losfahren!