zurück zur Übersicht

Sagenhaft: Vom Hexenmeister und Zwergenkönig

07.10.2020 Sagen, Sommer Eggental, Carezza, Obereggen

Dafür gibt’s sagenhafte Erklärungen, die seit Jahrhunderten überliefert werden.. Der Karer See etwa, der als Perle der Dolomiten gilt und in dem sich die Nordwände des Latemar spiegeln, verdankt sein einzigartiges Farbenspiel angeblich einem liebeskranken Hexenmeister. Er hatte extra einen Regenbogen mit Juwelen an den Himmel gezaubert, um die hübsche Nixe zu gewinnen, die im See wohnt. Doch die erhörte sein Werben nicht, tauchte flugs in die Fluten ab. Aus Wut über die Zurückweisung zerschmetterte der Hexenmeister sein Kunstwerk und warf’s ihr hinterher. Darum erstrahlt der See in überirdisch schönen Farben. Auf ladinisch übrigens heißt der Karer See heute noch „Lec de ergobando“, übersetzt: Regenbogensee. 

Mit einem besonderen Farbenspiel hat auch die Sage um König Laurin zu tun. Obwohl längst bekannt ist, dass das Alpenglühen durch den hohen Gehalt an Kalziumkarbonat und Magnesium im Dolomit-Gestein entsteht, wird die Geschichte noch immer gern erzählt. Laurin war ein Zwergenkönig, der im wunderschönen Rosengarten wohnte, der sich ans Gebirge gleichen Namens schmiegte. Liebeskrank entführte er die schöne Königstochter Similde – und kämpfte in seinem Rosengarten gegen die Verfolger, darunter Dietrich von Bern. Als er sich trotz Wundergürtel, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh, nicht mehr erwehren konnte, griff er zum nächsten Trick. Er machte sich mittels einer Tarnkappe unsichtbar, aber auch das nutzte nichts. An den Bewegungen der Rosen erkannten die Ritter, wo der Zwergenkönig sich versteckte. Diesen Verrat strafte er mit einem Fluch: Weder bei Tag noch bei Nacht sollte ein Mensch den Rosengarten jemals wieder erblicken. Weil Laurin in der Eile die Dämmerung vergaß, erstrahlen die Rosen in dem verzauberten Garten bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang noch heute.