zurück zur Übersicht

So schmeckt Südtirol – auf vegetarisch und vegan: „Es muss nicht immer überall Fleisch dabei sein“

11.05.2021 Genuss, Nachhaltigkeit Eggental

Im Speckkeller wird Gemüse geräuchert. Statt Klimaanlage wird die Fassade begrünt. Weil es vor Ort keine Vanille und keinen Zimt gibt, kommt die Küche eben ohne aus. Alles was Hotelier und Koch Kurt Resch im Steineggerhof tut, soll einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Nebenbei bringt er ein veganes Kochbuch heraus und zeigt den Gästen gerne mit dem E-Bike seine schöne Heimat im Südtiroler Eggental. Seit 50 Jahren betreibt Familie Resch im kleinen Bergdorf Steinegg einen Beherbergungsbetrieb. Seit 2019 ist das Bikehotel ein zertifiziertes Biohotel – die ganze Familie packt mit an. www.steineggerhof.com, www.eggental.com  

Steinegg befindet sich mittendrin im Eggental zwischen den mächtigen Gebirgszügen Rosengarten, Latemar und Schlern – und bietet beste Aussicht auf die beeindruckenden Dolomiten. Weil es auf 820 Höhenmetern und damit am niedrigsten von allen Bergdörfern der Region liegt, können hier viele in den prächtigen Bauerngärten ihr eigenes Gemüse ziehen. Zum Beispiel der gelernte Koch und Hotelier Kurt Resch, der mit seiner Familie das Biohotel Steineggerhof betreibt. Mehr als 1000 Pflanzen wurden schon gesetzt, darunter viele Wildkräuter und weitere 40 verschiedene Kräuter, aber auch Salate, Tomaten, Gurken und Zucchini für die überwiegend fleischlosen Gerichte. 

„Wir brauchen in unserer Saison von Ostern bis Allerheiligen rund 4,5 Tonnen Gemüse“, erklärt der 56-Jährige. „Da müssen wir natürlich zukaufen – aber so regional, wie es nur geht.“ Mehr als die Hälfte der Zutaten kommt aus Südtirol, der Rest in der Regel aus Italien. Wenn es etwas in der Umgebung nicht gibt, wie Linsen oder Rote Beete, wird eine Ausnahme gemacht. „Einige Produkte wie Zimt und Vanille verwenden wir gar nicht mehr, weil uns die Lieferwege zu lang waren.“ Auch an anderer Stelle ist der Nachhaltigkeitsgedanke zu spüren: Statt Steinplatten umgeben Marillenbäume und Lavendel das Hotel. Auf den Balkonen stehen bald Sträucher, die Fassade soll mit Weinreben begrünt werden. Zum doppelten Nutzen: Zum einen ist es gut für die Kühlung ohne Klimaanlage, zum anderen für die Bienen. Das alles zahlt sich aus: Der Hotelbetrieb war 2019 und 2020 klimapositiv, d. h. er hat nachweislich mehr CO₂ kompensiert als verursacht – als erster in Südtirol.

Umweltschutz als Lebenseinstellung
Die Familie lebt den Umweltschutz konsequent: „Für uns hat das etwas mit der Lebenseinstellung zu tun.“ Die haben die Reschs schon länger: Sohn Thomas verzichtet seit fünf Jahren auf Fleisch, Tochter Lisa auf sämtliche tierische Produkte. Sie stellt zusammen mit ihrer Mutter Sonja sogar Seife und Zahnpasta ohne Plastikverpackung und Mikroplastik selbst her. Tochter Natalie kocht nicht nur für die Gäste, sondern führt mit ihrem Mann einen Biohof und beliefert das elterliche Hotel. 

Ausschlaggebend für die Familienentscheidung, ein Biohotel zu werden, war letztendlich ein Urlaub in Mexiko 2018. „Meine Frau und ich waren saisonmüde und wollten nur am Strand abschalten. Aber dort lag überall Müll herum, da hat es uns nur noch gegraust und es kam die Erkenntnis: So können wir mit unserer Natur nicht weiter umgehen. Wir müssen etwas tun, sonst haben unsere Enkelkinder später nichts zu lachen.“

Wieder daheim stellte man nicht nur den Einkauf auf ausschließlich biozertifizierte Produkte um, sondern auch auf vegetarische Küche. „Der Umstieg war nicht so schwierig. Einfach beim Risotto den Speckchip weglassen, es muss nicht immer überall Fleisch drauf sein“, erklärt Kurt, für den inzwischen auch vegane Gerichte längst zum Alltag gehören. Zum 50. Jubiläum des Familienbetriebs haben er und Lisa sogar ein veganes Kochbuch herausgebracht – 130 Rezepte sind es geworden, davon 115 soja- und 87 glutenfrei. 

Im Eggental gibt es bereits einige Kollegen, die genauso viel Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit legen. Theodor Falser etwa, Sternekoch und Küchenchef im 4-Sterne-Hotel Engel gourmet & spa, folgt dem kulinarischen Credo „taste nature“. Um so authentisch und natürlich wie möglich zu kochen, verwendet er hauptsächlich Produkte, die derzeit in der Region wachsen oder auf althergebrachte Weise haltbar gemacht wurden. Besonders gerne alte, fast vergessene Gemüsesorten und Kräuter. Sein Ansatz kommt gut an: Einen Michelin-Stern und 16 von 20 Gault Millau-Punkten erkochte er bereits für die Johannesstube, eine alte Zirbenstube aus dem 13. Jahrhundert. 

Auch für Hotelchefin Brigitte Zelger, die in Deutschnofen das Hotel Pfösl betreibt, ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Darum ist die Angebotsgruppe „Vitalpina Hotels Südtirol“, zu der das Pfösl gehört, unter ihrer Führung kürzlich dem Klimaneutralitätsbündnis 2025 beigetreten. Genauso übrigens wie das Ski- und Wandergebiet Carezza am Rosengarten schon 2019. Sie alle wollen ihren CO₂-Ausstoß verringern und letztendlich klimaneutral werden. Im Ski- und Wandergebiet Obereggen am Latemargebirge setzt man seit Jahren auf umweltfreundliche Energie aus Biomasse und Erdwärme. Eggental goes green – damit man im Dolomiten UNESCO Welterbe guten Gewissens Urlaub machen kann. 

Ausgezeichnet Essen im Urlaub
Südtirol ist bekannt für seine gute Küche. Im Eggental bezieht sich diese Tatsache nicht nur auf die Hotellerie im Tal, sondern auch auf die kulinarische Vielfalt am Berg. Statt mit schnöder Selbstversorgung und gängigen Spezialitäten punkten die Hütten und Almen mit Bedienung, innovativer Küche und teilweise auch ausgefallenem Design – das Auge isst schließlich mit. Zwei Hotels glänzen mit je einem Michelin-Stern und die Region schnürt regelmäßig gastronomische Angebote – von Schupfenfesten über Wild- und Waldwochen sowie Abendveranstaltungen bis hin zu Vollmond-Events.

Über das Eggental
Die sieben Orte des Eggentals liegen nur 20 Kilometer von der Autobahnausfahrt Bozen Nord. Das Gebiet wird von nur 9.300 Einwohnern bewohnt und erstreckt sich über 200 Quadratkilometer, davon sind 70 Prozent Waldfläche. Wanderer haben im Angesicht des Dolomiten UNESCO Welterbes mit Rosengarten und Latemar gut 500 Kilometer markierter Wege zur Auswahl. Unter besonderem Schutz stehen die Naturparks Schlern-Rosengarten und die Bletterbachschlucht. Insgesamt 30 Hütten und Buschenschänken bieten traditionelle Südtiroler Köstlichkeiten an und laden auf ihren großen Sonnenterrassen zum Einkehren ein. Die rund 5000 Gästebetten verteilen sind sich auf 17 Hotels im 4-Sterne-Bereich sowie auf weitere 45 Hotels im 3-Sterne Bereich. Circa 65 Prozent der Unterkünfte – darunter Apartments für unterschiedliche Ansprüche – sind klein und familiengeführt. Die Orte und Berge des Eggentals kann man dank des sanften Mobilitätsangebot auch ohne Auto erkunden. 

Weitere Infos
Eggental Tourismus, Dolomitenstraße 4, I-39056 Welschnofen,
Tel.: 0039/0471/619500, info@eggental.com, www.eggental.com