Der Bio-Fleischbauer

Autor
Lara Sinner
Datum
14.05.2020

Der Bio-Fleischbauer

Während Bernd Pardeller vom Karerhof in Welschnofen tagsüber die Wälder durchforstet – und zwar wortwörtlich, denn er ist hauptberuflich Förster –, zotteln auf seinem Bio-Bauernhof zwei Schweine grunzend über ein Feld, dicht gefolgt von zwei Zwergziegen. Die Hühner gackern zwischen Freiluftgehege und Holzhaus hin und her und zwei Truthähne einer sehr alten Rasse halten ein wachsames Auge auf ihre gefiederte Herde. 

Am Karerpass, wenige Autominuten vom Hof entfernt, genießen indes siebzehn Rinder den Sommer ihres Lebens – sie speisen frisches Weidegras vor der eindrucksvollen Kulisse des Rosengartens. „Menschen essen Fleisch – die meisten, zumindest. Und das schon, seit es sie gibt. Da ist es das Mindeste, was man als Fleischbauer tun kann, den Tieren eine lebenswerte und schöne Zeit zu bieten – auch wenn sie kurz ist. Ich möchte nicht nur Bio anbieten, sondern es auch wirklich leben. Darum ist mein Hof klein, aber die paar Tiere, die ich halte, halte ich so, wie es sich gehört!“, erklärt Bernd mit fester Stimme. Er kann momentan nicht von seiner Tätigkeit als Bauer leben, will diese aber trotzdem auf keinen Fall aufgeben, denn dafür gefällt ihm das Arbeiten mit Tieren zu sehr. Er steht hinter seiner Philosophie „Bio”, das kennt man ihm an. „Heutzutage sieht man kaum mehr Schweine, die im Freien rumlaufen“, meint er und streichelt das dicke rosa Schwein, das genüsslich weitergrunzt und sich an einem Blatt Salat zu schaffen macht. „Die Kühe und Schweine essen bei mir Gras, Heu und manchmal Körner, aber das eher im Winter“, erzählt er und unterstreicht, dass er von Kraftfutter nichts wissen will. Den Speck macht er für den Eigengebrauch und für die Gäste, die auf seinem Bauernhof urlauben, denn die nehmen immer gerne ein Stück mit nach Hause. Beim Rindfleisch hat er so seine Probleme, es an den Koch zu bringen: „Bei mir ist es so, dass ich das Fleisch verkauft wissen muss, bevor ich das Tier schlachte. Die meisten Köche sind allerdings nicht sehr begeistert davon, ein ganzes Rind kaufen zu müssen, weil sie natürlich lieber Filets oder Steaks für ihre Gäste kochen, als Gulasch oder Braten – da entsteht eine gewisse Diskrepanz!“, erklärt der 42-Jährige. „Natürlich verlange ich auch einen gewissen Preis, immerhin ist der Aufwand, den ich als Biobauer betreibe, ganz ein anderer.” Bernd beliefert momentan Südtiroler Restaurants der gehobenen Gastronomie mit seinem Fleisch. Bernds Vision ist es, sein Fleisch mehr unter die Leute zu bringen – und dass die Menschen den Wert von echtem Bio zu schätzen wissen.
Am liebsten ist Bernd auf der Weide oberhalb des Karer Sees bei seinen Rindern, die ein ruhiges Leben mit genügend Freiraum und einer gigantischen Kulisse genießen dürfen. Lotte, Hermine und Co. leben hier auf die natürlichste Art, die es gibt: der Muttertierhaltung. Dabei bleibt das Kalb bei seiner Mutter und kann Milch trinken, wann immer es möchte. Dazu gibt es nur saftige Gräser, Kräuter und im Winter, wenn sie dann bei Bernd auf dem Hof sind, auch Heu. 
Und obwohl das Leben als Fleisch-Biobauer auch seine Schattenseiten hat – die Sonnenseite, die sieht man dem Bernd trotzdem an. Ihm macht es einfach Freude, den Tieren ein grünes Leben in der Bergluft zu schenken! 

Lara Sinner

ist Verantwortliche für Web Concept- & Content bei clicktext, der Südtiroler Agentur für Corporate Content. Sie liebt und lebt das Schreiben und gibt in ihren Geschichten das wieder, was das Land Südtirol – und insbesondere das Eggental – so erzählen.

Für die italienische Übersetzung dieses Textes verantwortlich: Serena Schiavolin, Translation-Fee und verantwortlich für den Italian Content bei clicktext. Sie haucht den Geschichten noch den typisch italienischen Touch ein!