Die Magier des Schnees

Autor
Maria Hilber
Datum
19.02.2019
Tags
Winter

Die Magier des Schnees

Die Entwicklung der Beschneiungsanlagen im Eggental steht für eine Gründergeschichte, die im kleinen Obereggen begonnen hat und inzwischen weltweit tut, was sich einige findige Köpfe zur Expertise gemacht haben: Den perfekten Schnee machen und für traumhafte Pistenverhältnisse sorgen. Wir sprechen dazu mit Thomas Ondertoller von der Obereggen Latemar AG/SpA.

Schnee von gestern? Nein! Aber wie alles begann …

Anfang der 1980er Jahre haben sich zwei erfinderische Mitarbeiter des Skigebiets Obereggen eine kühne Aufgabe gestellt: „Wir machen unseren Schnee selbst!“ In Eigenregie entwickelten Walter Rieder und Georg Eisath einen Prototypen zur Schneeerzeugung, der auf die Wintertemperaturen der südlichen Dolomiten mit dem perfekten Schnee reagieren konnte. Die einzelnen Bauteile dazu kamen aus der Landwirtschaft und wurden kurzerhand umfunktioniert.

Thomas Ondertoller erzählt, dass die Obereggen AG schon 1982 diese ersten Schneeerzeuger angekauft und somit die Weiterentwicklung der „Schneemacher“ gesichert hat. Zusammen mit Erich Gummerer wurde 1990 dann die Firma TechnoAlpin gegründet und der Schneeerzeuger „Latemar M90“ - das Versprechen auf eine weiße Pistenzukunft - kam auf den Markt.

Von Beginn an wurde in Forschung und Entwicklung investiert, und obwohl anfangs hauptsächlich die umliegenden Skigebiete Interesse zeigten, so eroberten die TechnoAlpin'schen Beschneiungsanlagen bald den Globus. Mit mittlerweile 7 Filialen, 18 Handelspartnern und etwa 600 Mitarbeitern weltweit gehören sie zu den großen Spielern unter den Pistenmachern. Allein im Großgebiet Ski Center Latemar sind an die 200 Beschneiungsanlagen in Betrieb, die stolze 100 % der Pistenfläche mit dem sogenannten „Kompaktschnee“ weiß machen.

Inzwischen produziert TechnoAlpin neben Schneekanonen auch Schneilanzen und die Snowfactory, einen Schneeerzeuger für warme Außentemperaturen.

Dazu ein schneeweißes Detail: 2018 hat das Erfolgsunternehmen seinen sagenhaften 111.111ten Schneeerzeuger (was für eine Zahl!) gebaut.

H2O und Luft = Kompaktschnee

Der Kompaktschnee ist vor allem eines: Natürlich! „Er besteht nämlich aus genau zwei Komponenten: gefrorenen Wasserpartikeln und Luft“, so Thomas Ondertoller. „Das Wasser wird in den eigens konstruierten Düsen mit Druckluft vermischt und bildet daher so genannte Keimkristalle. Mittels Ventilator fliegen diese über die Piste und „wachsen“ dabei.“ Der daraus entstehende dichte Kompaktschnee ähnelt in seiner Struktur körnigem Altschnee und eignet sich optimal für die Vorbereitung von TOP-Pisten.

„Dieser Schnee ist so sauber, dass …

… ich ihn ohne Zweifel essen würde!“ So etwas in der Art hat Lokalmatador und Wintersport-Pionier Erwin Stricker wohl gesagt, bevor er sich kurzerhand eine Ladung Kompaktschnee in den Mund geschoben und „gegessen“ hat. „Damit überzeugte er wohl auch noch die letzten Skeptiker“, grinst Thomas Ondertoller. Nach wie vor wird - in Zusammenarbeit mit der TechnoAlpin - die Öffentlichkeit laufend über die Beschneiungssysteme informiert.

Beschneien - aber mit System!

TechnoAlpin erkannte früh, dass die beste Beschneiung nur in einem ganzheitlichen System funktionieren kann. So setzt das Team heute auf individuell entwickelte Komplettlösungen, welche Planung, Umsetzung und Service berücksichtigt. Dazu gehört auch, die Pistenumgebung genau zu kennen und auf Windlage, Sonnenflecken und schattenreiche Areale präzise und kompetent eingehen zu können.

Natürliche Wasserspeicher

Die fünf Wasserspeicher für die Beschneiungsanlagen liegen im Eggental weit oben. Dort füllen sich die Wasserreservoires mit etwa 302.500 Kubikmeter Fassungsvermögen das ganze Jahr über durch Niederschläge und Schmelzwasser selbstständig auf. So ist es nicht nötig, Wasser in die Höhe zu pumpen. Hier wird sich die Schwerkraft des reinsten H2Os zunutze gemacht, indem es allein nach unten und zum Teil bis zu den Schneeerzeugern fließt.

Beschneien - aber mit System!

Die grüneren (Pisten)Wiesen

Das Wasser kommt nicht nur den Pisten, sondern sogar der Natur zugute. Denn mit dem, was an Feuchtigkeit die Wintersaison über in den Boden sickert, werden auch die tieferen Erdschichten mit Wasser versorgt. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass diese „Pistenwiesen“ während der warmen Jahreszeit üppiger bewachsen sind als die „Nicht-Pisten“. Teilweise kann sogar eine zusätzliche Ernte eingefahren werden, so Thomas Ondertoller.

Schneekarger Urlaub? Gibt‘s nicht!

Nicht jeder Winter ist so schneereich wie es beispielsweise 2016 und 2017 der Fall war. Da die Obereggen Latemar AG/SpA im engen Dialog mit den Betrieben der Umgebung steht und den Gästen Sicherheit bei ihrer Urlaubsplanung geben möchte, garantiert sie: Die Wintersaison beginnt IMMER in den letzten Novembertagen und endet IMMER erst nach Ostern - dank der Beschneiungsanlagen und dem stetigen Zusammenspiel von Naturschnee, Kompaktschnee und der regelmäßigen Pistenpräparation!

Während der Saison wird jeden Abend, gleich nach Pistenschluss, die Wiederherstellung der Pisten in Angriff genommen. Zahlreiche Schneeraupen schieben die Schneemassen wieder nach oben - und das im Schichtdienst und so schnell wie möglich, damit der Schnee über Nacht viel Zeit hat, sich wieder zu festigen.

Immer eine Pistenlänge voraus

So groß der Wirtschaftszweig rund um den Schnee auch ist, so präsent wirkt hier ein Bewusstsein für nachhaltige Naturnutzung. Georg Weißensteiner, Präsident der Eggental AG und Gründungsmitglied der Obereggen Latemar AG/SpA, weiß, dass Dialog und Weitblick, Mut und innovative Kraft nur im Bewusstsein für ihr Umfeld erfolgreich geschehen können. Denn die Schnee(erfolgs)geheimnisse im Eggental bauen vor allem auf den Willen zur Kooperation und die tiefe Wertschätzung vorhandener Ressourcen.

Ach und wussten sie … ?

… dass Obereggen schon ganz schön oft - unter anderem wegen seiner hervorragender Pisten - ausgezeichnet wurde? Schauen Sie mal hier!

 

Maria Hilber

ist Bloggerin und content scout bei clicktext, der Agentur für Content- und Social-Media-Marketing in Südtirol.
Sie liebt den Weg von den Atomen hin zu den Dolomiten, von Menschen zu Geschichten und vom Erleben zum Erzählen.

Für die italienische Übersetzung dieses Textes verantwortlich: Serena Schiavolin, Translation-Fee und verantwortlich für den Italian Content bei clicktext. Sie haucht den Geschichten noch den typisch italienischen Touch ein!