Immer in Bewegung

Datum
25.01.2020

Immer in Bewegung

Walther Pichler im Porträt

Walther Pichlers blauer Skianzug, den er auch heute trägt, hat vermutlich schon einige Jährchen auf dem Buckel – immerhin ist die Skipiste sein täglicher Weg zur Arbeit – und das schon seit Jahrzehnten! Wer kann das schon von sich behaupten? :-) Er arbeitet nämlich da, wo andere zum Rasten oder Feiern einkehren: auf der Ganischgeralm! Aber es ist nicht nur die Alm, mit dem man ihn in Verbindung bringt: Man kennt dieses Urgestein des Eggentals einfach, den geselligen Gastwirt, der von Anfang an mit dabei war. Von Anfang an? Ja, denn das Ski Center Latemar und Walther Pichler sind quasi miteinander „aufgewachsen” …

Der Mann hinter der Kult-Alm

„Ich bin mit dem Tourismus aufgewachsen. Schon meine Eltern besaßen ein Gasthaus, das wir dann, als 1970 das erste Skigebiet der Gegend entstand, zum Hotel Ganischgeralm umfunktioniert und immer wieder mal erweitert haben. Und wie sich das alles hier so entwickelt hat, da bin ich einfach mitgewachsen”, erzählt der gebürtige Deutschnofner mit schlohweißem Haar und sonnigem Gemüt. 1976 hat er die Ganischgeralm gebaut und sie in den Jahren  weiterentwickelt zur Kult-Alm, was sie heute noch immer ist. Beinah’ täglich ist der Gastwirt seither von morgens bis in den späten Nachmittag hinein dort anzutreffen, im Self Service Bereich an der Kassa vor allem. „Früher war ich tatsächlich sieben Tage in der Woche eingespannt. Mittlerweile gönne ich mir – sagen wir mal seit 10 Jahren – einen freien Tag in der Woche. Dann gehen wir am liebsten wandern – Sommer wie Winter –, oft direkt vor der Haustür, zum Beispiel auf die Latemarhütte. Wir sind aber auch gerne auf der Seiser Alm, im Pustertal oder im Vinschgau unterwegs.” Heute greift ihm einer seiner Söhne auf der Ganischgeralm unter die Arme. Aber auch seine Frau und seine anderen drei Söhne sind in der „Ganis-Welt” tatkräftig mit dabei und jeder übernimmt Verantwortung. Immerhin sind neben dem Ganischgerhof und der Ganischgeralm auch das Platzl, das Gardonè und mittlerweile auch das Loox Teile der Familienwirtschaft. Heute arbeiten die Söhne des 77-Jährigen in einer gemeinsamen Gesellschaft und kümmern sich um alle Lokale, das Marketing und die Administration. „Ich bin sehr froh und auch dankbar, dass alle mithelfen, weil … alleine würde das alles nicht klappen!”

Erinnerungen und ein Blick in die Zukunft

43 Jahre auf der Ganischgeralm, ein Leben lang im Tourismus. Der Gastwirt ist ein Arbeitstier und freut sich darüber, wie sich in Obereggen alles entwickelt hat – und dass er als Teil davon mitgewachsen ist. Stillstand gibt es bei den „Ganis” nämlich bestimmt nicht. Alle 5-6 Jahre kommt irgendwo irgendetwas Neues dazu, erzählt Walther Pichler enthusiastisch. Die größte Herausforderung in all den Jahren war für ihn der große Hotelumbau im Jahr 2000, als das alte Gebäude komplett abgerissen und von Grund auf zum Vier Sterne S-Hotel umgebaut wurde. Auch jetzt wird wieder was dazugebaut. „Meine Söhne sind da immer die treibende Kraft – ich muss sie oft etwas bremsen!”, lacht er. 25 Jahre lang war der im Jahr 1942 Geborene auch als Gemeindereferent tätig und hat sich im Gemeinderat für den Tourismus in Obereggen stark gemacht.

Während er seine Geschichten erzählt, leuchten seine Augen immer mehr. Heute ist Walther Pichler sichtlich stolz darauf, was er alles geschafft hat. Immerhin ist es schon nicht einfach, einen einzigen Betrieb so aufzubauen, geschweige denn so viele. „Man musste schon viel kalkulieren, aber eine Portion Glück gehörte bestimmt auch dazu.”
Das Publikum hat sich in all den Jahren sehr verändert, resümiert Herr Pichler und denkt an die Zeiten ohne Apres Ski zurück: „Wir haben früher anders gefeiert, da haben wir mit der Gitarre gespielt und gesungen, das machen die jungen Leute heute nicht mehr – die hören eine ganz andere Musik. Daran erinnere ich mich sehr gerne zurück. Ja, wir haben viel gesungen.” Einen Moment – oder auch zwei – schwelgt er still in Erinnerungen.
Und die Zukunft? Die Zukunft sieht vermutlich sehr gut aus, denn der Fremdenverkehr läuft, hier im Eggental. „Die größte Schwierigkeit wird in Zukunft eher sein, gutes Personal zu finden”, mutmaßt der Gastwirt, selber ist er aber im Moment glücklich mit seinen Angestellten. In der Wintersaison sind das bis zu 115! Und viele von ihnen sind sogar schon fast 20 Jahre mit dabei. „Es ist wahnsinnig wichtig, Mitarbeiter zu haben, die motiviert und engagiert sind, aber auch Verantwortungsbewusstsein besitzen. Mit unserem Team pflegen wir eine sehr freundschaftliche Beziehung. Es ist fein zu wissen, dass auch dann alles reibungslos klappt, wenn man mal nicht dort ist.”

Lebenslust … und Pep unter den Skiern

„Ich bin ein Optimist. Ohne Optimismus kommt man im Leben nicht weiter! Auch wenn es mal nicht so gelaufen ist wie geplant, habe ich mir immer nur gedacht: Irgendwie wird’s schon weitergehen.” Und so war das dann auch. Mit seinen 77 Jahren hat Walther Pichler ein ganz schön bewegtes und vor allem arbeitsreiches Leben hinter sich – das kann man seinem Gesicht ablesen. Immerhin hat er quasi den Tourismus eines ganzes Skigebietes mit aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist. Klar sucht der Gastwirt heute auch mal Ruhe und lässt die Abende somit früher enden. Trotzdem: Ein Alm-Ende ist nicht in Sicht! „Mittlerweile könnte ich schon zuhause bleiben”, gibt er lachend zu, „aber das möchte ich nicht. Ich bin es so gewohnt, täglich auf der Alm und unter Leuten zu sein, dass ich das niemals missen möchte. Solange ich gesund bin und mich auf den Beinen halten kann, werde ich genau so weitermachen, wie bisher.”

Walther Pichler zieht sich seine Handschuhe an, die perfekt zum blauen Skianzug passen, verabschiedet sich und macht sich – schon mit den Skischuhen an den Füßen – auf zum Sessellift. Auf zur Ganischgeralm! :-)

Sarah Meraner

ist Verantwortliche für Digital Storytelling bei clicktext, der Südtiroler Agentur für Corporate Content und Bloggerin von „Geschichten im Kopf“. Sie erlebt die Welt mit allen Sinnen und erzählt von ihr. In Worten. In Geschichten. In Bildern.

Für die italienische Übersetzung dieses Textes verantwortlich: Serena Schiavolin, Translation-Fee und verantwortlich für den Italian Content bei clicktext. Sie haucht den Geschichten noch den typisch italienischen Touch ein!