Hütte Berge Schnee Wald Natur | © Ph. Günther Pichler
Energie- und Umweltmanagement in Obereggen
Maria
Autor Maria Hilber
Tag Natur & Nachhaltigkeit

Energie- und Umweltmanagement in Obereggen

Das Skigebiet Obereggen und das Ski Center Latemar stehen nicht nur für 5-Sterne-Skigebiete, in dem ein familien- und kinderfreundliches Herz schlägt. Es steht für eine Naturlandschaft, die ganz einfach einzigartig und schützenswert ist.

Genau das haben die lokalen Pioniere, die Einwohner und die Dienstleister der Umgebung lange schon erkannt.

Die natürlichen Gegebenheiten bei Planung und Betrieb berücksichtigen. Und genau davon sprechen ihre baulichen Entscheidungen und die energetischen Wiedergewinnungskonzepte. Sie sprechen von Taten, die mit Blick in die Zukunft gesetzt wurden.

Denn im Kopf beginnt der Wandel

In den Wiesen, wo im Sommer die Tiere weiden, erkannten einige junge Pioniergeister aus Eggen in den frühen Neunzehnsiebzigern das Potential für eine winterliche Nutzung. In Eigenregie sammelten sie Know-how und Startkapital – und schufen mit der nagelneuen Liftanlage auch das neue Skizentrum „Obereggen“.

Und damit schufen sie auch die Obereggener Werte:
1) Die Potentiale der natürlichen Besonderheiten nutzen - in Dialog mit der Umgebung.
2) Regionale Holzhackschnitzel für die Wärmeversorgung nutzen und Abwärme zurückgewinnen
3) Nicht in der Maximierung von Wertschöpfung, sondern in Kreisläufen denken.

Öffentlicher Transport

Seit Obereggen sich für seine Gäste geöffnet hat, ist auch die Infrastruktur konstant verbessert und optimiert worden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen ist die Idee und das bedeutet in der Praxis, dass die Eggentaler Dörfer im Sommer täglich mit Wanderbussen verbunden sind und im Winter kostenlose Skibusse ermöglichen die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort.

Zwischen Bäumen: Das Fernheizwerk

Wurden zu Beginn der Obereggener Geschichte noch rund 500.000 Liter Heizöl pro Jahr für die Wärmeversorgung eingesetzt, wird die Wärmeversorgung der angeschlossenen Betriebe seit 2007 überwiegend über das Fernheizwerk mit Holzhackschnitzeln sichergestellt. Ein Ölkessel steht zusätzlich als Reserve für Störfälle zur Verfügung.

Das Holz für die Holzhackschnitzel stammt aus der Region und fällt unter anderem bei der Verarbeitung von Holz in Sägewerken an. Die dabei entstehenden Holzreste werden als Brennstoff im Fernheizwerk eingesetzt und zur Wärmeerzeugung genutzt. Die dabei erzeugte Wärme wird auf einen Wasserkreislauf übertragen. Über das Fernwärmenetz gelangt das erwärmte Wasser mit einer Vorlauftemperatur von rund 80 °C zu den angeschlossenen Betrieben.

An der Entwicklung und Finanzierung des Fernheizwerks waren auch die angeschlossenen Betriebe beteiligt. Sie investierten in Eigeninitiative und mit Eigenkapital in den Aufbau der gemeinsamen Wärmeversorgung. Ziel war es, eine zentrale Wärmeversorgung aufzubauen und dabei vorhandene regionale Holzressourcen für die Wärmeerzeugung zu nutzen.

Emissionen und Wärmerückgewinnung

Bei den Emissionsmessungen in Obereggen wurde ein Wert von 20 mg/m³ ermittelt. Der für die Anlage geltende gesetzliche Grenzwert beträgt 70 mg/m³.

Für die Reinigung der Abgase verfügt die Fernheizanlage über mehrere technische Filterstufen. Dazu gehören Multizyklonfilter und Elektrofilter. Eine Kondensationsanlage ermöglicht außerdem die Rückgewinnung eines Teils der im Rauchgas enthaltenen Wärme.

Auch in den Gebäuden der Talstation sind Wärmerückgewinnungsanlagen installiert. Sie nutzen Wärme erneut und tragen dazu bei, den Energiebedarf zu reduzieren.

Zusätzlich zur eigenständigen Wärmeproduktion wird Strom aus lokaler Wasserkraft genutzt.

Wälder, Wanderwege und pistennahe Bereiche werden regelmäßig kontrolliert und von zurückgelassenem Müll befreit.

Erdwärme auch in Oberholz

Ganz oben findet sich eine weitere architektonische Besonderheit: die stolze Berghütte Oberholz auf 2096 Metern Meereshöhe. Konsequent wird auch sie mit natürlichen Energieressourcen, nämlich Erdwärme beheizt. Durch mehrere schonende Bohrungen wurden Leitungen bis hin zu wärmeren Erdschichten gelegt und die Wärme wird nach oben, bis zur Hütte, geführt.

Über Generationen hinaus denken

Zwischen den weißen Kalkformationen der Dolomiten ist also rund um Obereggen ein System der Energiekreisläufe entstanden. So steht Obereggen nicht auf den Schultern von Mutter Natur, sondern arbeitet mit ihr, für Nutzungssysteme mit Zukunft. Denn wenn Pioniere die Welt verändern, denken sie daran, dass auch ihre Kinder darin leben werden.

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