Oh, Himmelszelt
Eggental
Autor Eggental Magazine
Tag Sonne, Mond & Sterne

Oh, Himmelszelt

Wie Amateur-Astronomin Stephanie Wolters ihren Platz im Sternendorf fand

Stephanie Wolters glaubt nicht an Zufälle. Sie glaubt auch nicht an Astrologie schon allein deshalb, weil die Sterne längst nicht mehr da stehen, wo sie angeblich stehen sollten. Und doch: Irgendeine Konstellation am Himmel muss es gewesen sein, die die gebürtige Deutsche ins Eggental führte. Als Amateur-Astronomin hat sie hier ihren Platz gefunden. Für sie öffnet sich nirgendwo anders das Himmelszelt so weit und leuchten die Sterne so klar.

„Hier ist die Lichtverschmutzung so gering, dass man den Himmel noch in seiner ganzen Pracht sieht – das ist ein echtes Privileg.“

Stephanie Wolters

Vor über 40 Jahren machte Stephanie Wolters Urlaub in Südtirol – und verliebte sich gleich doppelt: in Günther, den Mann, den sie später heiratete, und in den Rosengarten, dessen Abendrot weit über das Eggental hinaus berühmt ist. Dass sie eines Tages in diesem Tal wohnen würde, hätte sie damals nicht gedacht. Doch 2004 fand die Familie mit ihren zwei Kindern ausgerechnet in Steinegg eine neue Bleibe, einem Ort, der für die leidenschaftliche Himmelsbeobachterin wie geschaffen ist. „Es ist der beste Wohnort, den ich mir vorstellen kann“, sagt die Rheinländerin, die seit vielen Jahren als Lehrerin arbeitet. Kein Wunder, die Lage des Dorfes auf einem Hochplateau gibt nicht nur den Blick auf den Rosengarten frei, sondern auch die Sterne scheinen hier oben zum Greifen nah. Steinegg und der Nachbarort Gummer zählen zu den besten Plätzen Italiens für die Beobachtung des Sternenhimmels. Die Vereinigung Astronomitaly verlieh den Dörfern 2018 sogar Gold für einen der schönsten Nachthimmel in Italien. Auch dank gezielter Maßnahmen der Gemeinde, erklärt Stephanie Wolters: „Hier ist die Lichtverschmutzung so gering, dass man den Himmel noch in seiner ganzen Pracht sieht – das ist ein echtes Privileg.“

Schon als Vierjährige blickte Stephanie Wolters jeden Abend staunend in den Himmel und löcherte ihren Vater mit Fragen. Was denn da oben nachts so leuchtet, warum der Mond um die Erde kreist und wie heiß die Sonne ist, wollte sie wissen. Als sie lesen konnte, verschlang sie Sachbücher über die Natur und das Weltall, entschied sich später aber – aus praktischen Gründen, wie sie sagt – für das Studium der Sprachwissenschaften.

Doch die Sterne haben sie seit ihrer Kindheit nie losgelassen. Bücher, Vorträge, Kurse – alles, was sie in Sachen Astronomie weiterbrachte, nahm sie in Anspruch. Über einen Bekannten kam Stephanie Wolters in den 2010er-Jahren im Eggental zum Verein der Südtiroler Amateurastronomen „Max Valier“ und gehört heute gemeinsam mit ihrem Mann zu den engagierten Mitgliedern. Der Verein betreibt im Auftrag der Gemeinde Karneid die Volkssternwarte in Gummer, die für Stephanie Wolters ein zweites Zuhause geworden ist.

Die Sternwarte, ebenfalls nach dem Südtiroler Raumfahrtpionier Max Valier benannt, wurde 2002 auf einer Wiese auf rund 1.350 Metern über dem Meeresspiegel errichtet und bietet den idealen Blick in alle Himmelsrichtungen. „Bevor die Sternwarte hier stand, saß ich mit meinen Kindern öfter auf genau dieser Wiese, um den Nachthimmel zu genießen“, erinnert sich Wolters. Die dazugehörige Sonnenwarte folgte 2006. 2012 startete eine Projektgruppe für die touristische Entwicklung in Steinegg und Gummer im Rahmen des Europäischen Förderfonds für regionale Entwicklung den Weg zur Positionierung als „Sternendorf Astrovillaggio“. „Das eröffnet uns neue Möglichkeiten, mehr Menschen für die Astronomie zu begeistern“, so die Amateurastronomin. Zum Sternendorf gehören Volkssternwarte, Sonnenwarte, eine Sonnenuhr in Form einer riesigen Marmorkugel, ein Planetenweg, der Weg der Sterne, das Planetarium Südtirol und vor allem die vielen spannenden Führungen und Veranstaltungen. In und rund um Gummer machen die Vereinsmitglieder Max Valier den Einheimischen und Gästen das Himmelszelt begreifbar. Ehrenamtlich – und Stephanie Wolters ist immer mittendrin.

Eine Zuagroaste ist die inzwischen vierfache Oma längst nicht mehr. Mit ihrem Südtiroler Dialekt und perfektem Italienisch würde man sie nie als zugezogene Deutsche erkennen. „Hätte ich nicht umgehend den Dialekt gelernt, wär’s mit meinen Schwiegereltern gar nicht so einfach gewesen“, sagt sie augenzwinkernd. „Und das Watten“, fügt sie hinzu – das klassische Südtiroler Kartenspiel musste sie natürlich auch beherrschen. Ihre Beziehung zum Eggental ist eine besondere – nicht nur wegen der Sterne. Sie schwärmt von den Stoaneggnern, die sie und ihre Familie von Anfang an herzlich aufgenommen hätten. Als sie ihren pflegebedürftigen Vater aus Deutschland nach Steinegg holte, sei er schneller Teil der Dorfgemeinschaft gewesen, als er Griaß Gott sagen konnte.

Bei den Führungen blickt sie gespannt in das Teleskop, bei den Nachtwanderungen mit Gästen ist sie selbst ergriffen von der Weite des Alls. „Der Sternenhimmel ändert sich täglich. Und immer wieder entdecke ich mir Unbekanntes, das mich neugierig macht“, erzählt Wolters. Aus dieser Faszination hat sich mit den Jahren eine zweite Leidenschaft entwickelt: die Astrofotografie. Es begann mit Nordlichtern in Norwegen: „Dieses Phänomen hat ein Feuer entfacht.“ Mittlerweile ist ein riesiges Archiv an Fotos entstanden. Abertausende Aufnahmen von Himmelskörpern und Sternenkonstellationen – zunächst analog, heute digital.

In klaren Winternächten harrt Stephanie Wolters, eine Kanne Kaffee unterm Arm, oft stundenlang an abgeschiedenen Orten in Südtirol aus. Temperaturen von minus 20 Grad? Kein Problem. „Ich bin beim Beobachten und Fotografieren so voller Adrenalin, dass ich die Kälte kaum spüre.“ Viele Fotos entstehen aber bei ihr daheim. „Den wunderbarsten Nachthimmel vor der eigenen Haustür – was will ich mehr?“

 

Auszug aus: Eggental Magazine, 2025
Text: Edith Runer
Redaktion: Exlibris, Bozen

wandertipp

Der Weg der Sterne

Der Weg der Sterne verbindet die beiden Dörfer Gummer und Steinegg. Auf der 12,2 Kilometer langen Wanderung mit 3,5 Stunden Gehzeit führt das Maskottchen Luxi auf eine Reise durch die Geheimnisse des Universums. Ausgangspunkt ist ein überdimensionaler Fotoapparat in Gummer, der symbolisch den Einstieg ins Weltall markiert. An sieben interaktiven Stationen warten Sternbilder, eine Datumssonnenuhr und eine Sternenkarte. Der Weg führt an der Stern– und Sonnenwarte vorbei, zum Raketenbaumhaus für junge Astronominnen und Astronomen und schließlich zum Mini-Sternenweg in Steinegg, der abends in den Farben der jeweiligen Sterne beleuchtet wird.

Mountain Pass
1 TICKET - 17 AUFSTIEGSANLAGEN - 3 DOLOMITENBERGE

Fahre an 3 Tagen innerhalb 7 oder an 5 Tagen innerhalb 7 (ab Erstentwertung) uneingeschränkt mit 17 Aufstiegsanlagen im Herzen der Dolomiten UNESCO Welterbe auf den RosengartenLatemar und auf den Schlern.

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