Von Schneemännern und Bergmenschen – die Carezza Crew
Jens
Autor Jens Vögele
Datum 30.10.2026
Tag EggentalerInnen
die carezza crew

Von Schneemännern und Bergmenschen – die Carezza Crew

Morgens auf die Piste und abends zufrieden in die warme Stube. Was gibt es Schöneres als einen sorgenfreien Skitag? Hinter dem Betrieb eines Skigebiets stecken aber jede Menge Arbeit sowie viele Menschen, die mit Leidenschaft und Know-how dafür sorgen, dass alle Rädchen ineinandergreifen. Hier stellen wir vier von ihnen vor - stellvertretend für alle im Carezza-Team.

„Vor Saisonbeginn zählt wirklich jede Stunde“

Aron Lantschner

Aron Lantschner, Beschneier

Die Berufsbezeichnung von Aron steht schwarz auf weiß auf seinem Motorschlitten: "Schneiber". Auch wenn so mancher Flachlandtiroler das nicht auf Anhieb verstehen mag, steht das für einen der wichtigsten Jobs in einem Skigebiet: Als Beschneier sorgt Aron dafür, dass alljährlich in Carezza bis Ende November alle Pisten weiß erstrahlen und perfekt präpariert werden können. „Vor Saisonbeginn zählt wirklich jede Stunde“, erklärt Aron. Bis zu acht Leute umfasst dann das Carezza-"Schneiber"-Team, das schon Wochen vor dem Saisonstart – wann immer es kalt genug ist - Schnee produziert. Wenn dann nach Öffnung der Lifte die ersten Skifahrer ihre Kurven in den Schnee ziehen, haben Aron und die rund 250 Schneekanonen den Großteil ihrer Arbeit schon verrichtet. „Jede Kanone läuft für die Grundbeschneiung zwischen 80 und 100 Stunden“, sagt Aron. Und wenn die Pisten einmal aufgebaut sind, muss - wenn überhaupt - nur noch nachts gezielt und punktuell nachbeschneit werden. Denn die verdichtete Schneedecke aus den feinen Kristallen des technisch produzierten Schnees bildet eine solide und belastbare Grundlage für eine lange Skisaison.

„Technischer Schnee braucht nur Wasser und Luft“, erklärt Aron. Und dennoch sind moderne Schneeerzeuger hochkomplexe Maschinen. Ist es kalt genug, wird Wasser über Düsen in feinste Tröpfchen zerstäubt, die von so genannten Nukleatoren mit Druckluft vermischt werden. So entstehen kleine Eiskristalle, die als Schnee wieder auf den Boden fallen. Entscheidend für die Qualität ist dabei immer das ideale Verhältnis von Wassermenge, Wassertemperatur, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Weil das Wasser aus den Speicherteichen stammt, die sich vom natürlichen Niederschlag füllen, und die Kanonen mit 100 Prozent regenerativem Strom betrieben werden, kann der ökologische Fußabdruck der Schneeerzeugung so klein wie möglich gehalten werden. In der Theorie könnte Aron sogar in der warmen Stube sitzen und vom Smartphone aus alle Schneekanonen ansteuern und überwachen. „Wie der Wind weht, und wie der Schnee tatsächlich fällt, zeigt dir aber keine App an“, sagt er. Kontrollen vor Ort gehören deshalb in der Beschneiungsphase zu seinem täglichen Brot.

Später in der Saison, wenn gar nicht mehr beschneit werden muss, haben Aron und die Carezza-"Schneiber" aber immer noch alle Hände voll zu tun. „Unsere Arbeit sieht eigentlich so gut wie niemand“, sagt er. Jede einzelne Schneekanone muss penibel gewartet, die Düsen müssen gesäubert, und im Sommer müssen die Schneeerzeuger vor Sonne, Weidetieren oder Gewittern geschützt werden, damit sie im Winter wieder reibungslos funktionieren. „Es ist leider nicht so, dass man die Maschinen aufstellt und sie dann einfach laufen“, sagt Aron. Sie müssen technisch interagieren und kommunizieren, sie müssen möglichst störungsfrei durchlaufen und sie müssen das Wasser, das aus den Carezza-Pumpen kommt, in Schnee umwandeln. „Bis zu fünf Liter Wasser können pro Sekunde durch eine Schneekanone laufen“, erklärt Aron.

„Unsere Arbeit besteht hauptsächlich darin, die Sicherheit unserer Gäste zu garantieren“

Dieter Neulichedl

Dieter Neulichedl, Betriebsleiter am Paolina- und am Hubertus-Lift

Am imposanten Schaltschrank des Paolina-Lifts kann man leicht den Überblick verlieren. Aber Dieter Neulichedl weiß, wie die unzähligen Kabel und Sicherungen hier zusammenhängen – und vor allem, was zu tun ist, wenn es irgendwo mal klemmt. Aber davon kriegen Skifahrerinnen und Skifahrer in Carezza so gut wie nichts mit. Unten im Lift einzusteigen und oben wieder aus – das gehört auf den Skipisten zu einer Selbstverständlichkeit. Dahinter aber steckt jede Menge Arbeit, Know-how und Erfahrung von Menschen wie Dieter. Er kümmert sich schon seit 2013 als Betriebsleiter am Paolina- und am Hubertus-Lift um möglichst reibungslose Abläufe. „Unsere Aufstiegsanlagen laufen neun bis zehn Monate im Jahr jeden Tag“, erklärt er. Und damit der Betrieb störungsfrei funktioniert, hat er alle Hände voll zu tun.

Schon lange, bevor die ersten Skifahrer die Stiefel anziehen, beginnt Dieters Arbeitstag. Auf seinem Hof unweit der Moseralm versorgt er schon morgens um 5 seine Tiere, bevor er seine Aufmerksamkeit dem Maschinenraum schenkt. „Unsere Arbeit besteht hauptsächlich darin, die Sicherheit unserer Gäste zu garantieren“, sagt Dieter. Wichtig für einen dauerhaften Liftbetrieb sei es, regelmäßige Wartungsroutinen einzuhalten und somit Zwischenfällen vorzubeugen. Gibt es Auffälligkeiten? Kuppeln die Sessel und Gondeln zuverlässig an und ab? Meldet die Software irgendwelche Fehler? Funktioniert der Notantrieb? Täglich, wöchentlich und monatlich arbeiten Dieter und sein Team klar definierte Checklisten ab und dokumentieren ihre Arbeitsschritte penibel und transparent. “Bei mechanischen Bauteilen“, erklärt Dieter, „wissen wir sehr genau, wie lange sie bei guter Pflege halten und wann sie aus Sicherheitsgründen getauscht werden müssen.“ Neben den Checks im laufenden Saisonbetrieb kümmert sich Dieter deshalb auch um die jährlichen Wartungen bis hin zur Generalrevision nach 20 Jahren. Gleich nach Ende der Saison muss dann ein Rädchen ins andere greifen, externe Dienstleister müssen koordiniert werden, damit nur wenige Wochen später die Aufstiegsanlagen wieder wie am Schnürchen laufen. „Das braucht teilweise eine sehr lange Vorbereitungszeit“, erklärt Dieter.

Wer so lange im Geschäft ist wie Dieter, weiß genau, was zu welcher Zeit zu tun ist, um immer die Ruhe und den Überblick zu behalten. Sein Schlüsselanhänger mit dem Bild eines etwas aufgebrachten Bart Simpson entspricht deshalb nicht wirklich der Realität. Selbst wenn der Lift mal stillsteht, bringt Dieter das nicht aus der Ruhe. Wenn etwa ein Bruchstab wegen einer außergewöhnlichen Krafteinwirkung den Stromkreis unterbricht, zeigt der Monitor das genau an. Dieter fährt dann schnell mit dem Motorschlitten an den Mast, sichert sich, steigt hinauf und behebt in kürzester Zeit das Problem. Die gigantische Aussicht auf den Rosengarten kann er in diesem Moment zwar nicht genießen, aber wenn er wieder unten ist und in die fröhlichen Gesichter der Menschen beim Skifahren sieht, dann stimmt ihn das doch ziemlich zufrieden. „Mein Arbeitstag ist jeden Tag anders – und das macht es so schön“, sagt er. Und dass von seiner Arbeit die allermeisten auf der Piste so gut wie nie etwas mitbekommen, ist für ihn die größte Auszeichnung. Denn das bedeutet dann, dass alle unten gut gelaunt im Lift einsteigen und oben wieder aus. Und dass das alle für eine Selbstverständlichkeit halten.

„Bevor der Skibetrieb losgeht, muss ich sicher sein, dass alles in Ordnung ist“

Werner Ranigler

Werner Ranigler, Pistenchef

„Man könnte ja meinen, ich hätte mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Werner Ranigler augenzwinkernd. Wenn einer, der sich schon immer dem Skisport verschrieben hat und als Präsident den Welschnofner Sportverein lenkt, jeden Tag im Schnee anzutreffen ist, liegt das ja auch nahe. Aber dahinter steckt bei Werner nicht nur Spaß, sondern auch jede Menge gewissenhafte und verantwortungsvolle Arbeit: Er kümmert sich um die Sicherheit auf den Pisten von Carezza. Dazu gehört die Ausschilderung, die Absicherung von Gefahrenstellen und natürlich auch die Hilfestellung für den Fall eines Unfalls oder einer Verletzung. Denn das Motto „Runter kommen sie alle“, kann für einen Pistenchef so nicht gelten. Er will, dass alle vor allem sicher wieder unten ankommen.

Jeden Morgen in aller Früh dreht Werner seine Runde auf den Carezza-Pisten – allerdings nicht auf Ski, sondern im Motorschlitten. „Bevor der Skibetrieb losgeht, muss ich sicher sein, dass alles in Ordnung ist“, erklärt er. Bei guten Wetterbedingungen ist das nicht mehr als eine Kontrollfahrt, bevor Werner die rund 40 Pistenkilometer im Carezza-Skigebiet freigibt. Bei schlechtem Wetter aber kann es schon mal sein, dass er eine größere Schneeverwehung absichern muss. Dann zieht er seinen Akkuschrauber aus der Halterung und bohrt tiefe Löcher in den Schnee, in denen die Stangen der Sicherungsnetze einen festen Halt finden.

Als leidenschaftlicher Wintersportler genießt es Werner sichtlich in einem Skigebiet zu arbeiten, das in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht hat. Moderne Aufstiegsanlagen, zuverlässige Beschneiung und perfekt präparierte Pisten motivieren ihn auf seinem Outdoor-Arbeitsplatz, den er seit 2018 mit viel Engagement ausfüllt. Und das atemberaubende Panorama von Rosengarten und Latemar zum Greifen nahe zu haben, nimmt er selbst als Einheimischer nicht für selbstverständlich. Doch auch wenn das Abendrot, das die Dolomiten so einzigartig zum Leuchten bringt, dazu verlockt selbst nach Pistenschluss noch nicht nach Hause zu gehen, gehört es zu den Aufgaben von Werner und seinem Team auch abends nochmal zu kontrollieren. Darauf zu schauen, dass die Hütten rechtzeitig schließen und der Pistenpräparation für den folgenden Skitag nichts mehr im Weg steht. „Wenn wir das freundlich erklären“, sagt er mit seinem gewinnbringenden Lächeln, „dann haben die Leute auch Verständnis dafür.“

Das funktioniert selbst in solchen Situationen, wenn bei starkem Schneefall oder Wind Pisten vorzeitig geschlossen werden müssen. Das Pistensicherungsteam informiert dann, sorgt dafür, dass alle rechtzeitig ins Tal kommen und organisiert – wenn nötig – sogar einen Shuttleservice. Werner ist auf alle Eventualitäten vorbereitet – auch in der Gewissheit, dass er darauf nur selten zurückgreifen muss. Denn schlechtes Wetter ist im Eggental ja eine ziemlich große Ausnahme.

„Wenn ich dann auf Pisten Skifahren kann, die genau so perfekt sind, wie ich es mir vorstelle“, sagt er, „dann verspüre ich schon ein bisschen Stolz“

Hermann Psenner

Hermann Psenner, Schneekatzenfahrer

Würde Hermann Psenner bei einem Wettbewerb um den schönsten Arbeitsplatz der Welt mitmachen – er hätte die besten Chancen zu gewinnen. Nicht nur, weil er eine moderne gut 500 PS starke Maschine wie ein riesiges Spielzeug bedienen darf, sondern weil er damit bei schönem Wetter auch jeden Abend das magische Leuchten der Dolomiten aus nächster Nähe erlebt. Hermann ist einer von fünf Schneekatzenfahrer in Carezza – und sorgt so dafür, dass jeden Morgen die Pisten perfekt präpariert sind. Das Prinzip seiner Arbeit ist eigentlich ganz einfach: den Schnee, den all die Skifahrer den ganzen Tag nach unten bringen, schiebt Hermann mit seiner Schneekatze wieder hinauf. Das, was aber so spielerisch leicht aussieht, benötigt äußerst viel Fingerspitzengefühl: „Es kommt auf die Erfahrung an“, erklärt Hermann, der schon deutlich über zehn Jahre am Steuer seiner Schneekatze sitzt. Mal ist der Schnee nass und schwer, mal hat es geschneit, mal ist es bitterkalt. „Jeder Tag ist anders“, sagt Hermann, während er mit einem Joystick spielerisch leicht die imposante Maschine steuert. Vorne schiebt das Schild, während hinten die Fräse feine Rillen in die Piste zieht.

Schneekatzenfahrer wie Hermann profitieren zwar einerseits von ihrer Erfahrung, andererseits aber auch von den enormen technologischen Entwicklungen. Heute ist es im Cockpit einer mit umweltfreundlichem HVO-Treibstoff betriebenen Schneekatze nicht nur äußerst komfortabel und leise, vielmehr zeigen ihm auch zwei Monitore genau an, was zu machen ist. Auf einem davon sieht er alle relevanten Daten zur Steuerung seiner Maschine, der andere zeigt ihm genau an, wie hoch an jeder Stelle im Skigebiet die Schneedecke ist, weil die Sensoren der Schneekatze mit den punktgenauen GPS-Daten zuverlässig kommunizieren.

Gleich nach Pistenschluss starten Hermann und seine Kollegen die Motoren ihrer Schneekatzen – einerseits, weil sie vier bis fünf Stunden brauchen, bis alle 40 Pistenkilometer in Carezza präpariert sind. Andererseits aber auch, weil der Schnee, die Kälte und die Zeit der Nacht braucht, um wieder ordentlich durchzufrieren. Deswegen ist es so wichtig, dass frisch präparierter Schnee nicht befahren wird – etwa von Skitourengehern. „Viele unterschätzen aber auch die Gefahr“, erklärt Hermann. An manchen Pisten benötigen die Schneekatzen die Unterstützung von Stahlseilen und Winden, die dafür sorgen, dass selbst steilste Stellen problemlos präpariert werden können. Und die Seile können für Skifahrer im schlimmsten Fall tödlich sein. „Zum Glück gibt es dafür aber ein immer wachsendes Bewusstsein“, sagt Hermann.

Wenn alles gut läuft, fahren Hermann und seine Kollegen ihre Schneekatzen gegen 22 Uhr wieder in die Garagen. Jeder hat zwar seine Pisten, aber sie helfen sich gegenseitig aus. Und so wie sie zusammen starten, so machen sie auch erst zusammen Feierabend, wenn wirklich auch jeder Pistenmeter perfekt präpariert ist. Stressig wird es nur, wenn es nachts noch schneit. Oder wenn gerade zu Saisonbeginn nachts noch beschneit wird. „Dann müssen wir früh morgens nochmal raus“, erklärt Hermann. Seine Arbeitstage können dann auch mal zwölf Stunden lang werden. Und nicht immer bleibt dann die Zeit, die Schönheit des Panoramas auch zu genießen. Aber manchmal gönnt sich Hermann den Luxus, als morgens als Erster auf den Pisten zu stehen, die er selbst noch kurz zuvor präpariert hat. „Wenn ich dann auf Pisten Skifahren kann, die genau so perfekt sind, wie ich es mir vorstelle“, sagt er, „dann verspüre ich schon ein bisschen Stolz.“

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