Kuchen, Speck und Barbecue: Die Berghütten in Carezza
Jens
Autor Jens Vögele
Datum 11.08.2026
Tag Genuss

Genussmomente zwischen den Gipfeln

Was wäre eine Wander- oder Mountainbiketour ohne den Besuch auf einer Berghütte? Wer den Sommer in Carezza verbringt, kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Fast an jeder Ecke finden sich traumhaft gelegene Möglichkeiten, um bei einer Pause neue Energie zu tanken. So unterschiedlich sie sind: Alle eint die Liebe zu gutem Essen aus hochwertigen und regionalen Produkten. Und die atemberaubende Aussicht auf die Dolomitenmassive des Rosengartens und des Latemars.

1. Paolinahütte

Es war wohl eine ziemlich mutige Entscheidung von Sepp und Anna Pichler, Anfang der 50er Jahre auf 2125 Metern Höhe die Paolinahütte zu errichten. Aber die beiden hatten damals schon den richtigen Riecher, dass der Bau des Sessellifts eine Magnetwirkung auf Wanderer und Alpinisten ausüben würde.

So hat sich die Paolinahütte von Beginn an zu einer beliebten Anlaufstelle für alle, die gerne in den Bergen unterwegs sind, entwickelt. Das liegt einerseits daran, dass Hermann Pichler – mit seiner Frau Martha und seinem Sohn Hannes – das Paolina-Erbe mit viel Leidenschaft pflegt. Und andererseits, dass die Paolinahütte – auch wegen der Lage an der Bergstation des Sessellifts – der perfekte Startpunkt ist, um den Rosengarten zu umrunden, entspannt den Hirzelsteig zu begehen oder den Masarè- und Rotwand-Klettersteig zu bezwingen.

Dass dies auch prominente Gäste zu schätzen wissen, davon zeugen Fotos etwa vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der bereits zweimal vor der imposanten Kulisse des Rosengartens einkehrte und die Paolina-Spezialitäten mit frischen Zutaten aus dem Eggental genoss.

Wenn ab dem späten Nachmittag aber der Sessellift stillsteht und so langsam Ruhe am Berg einkehrt, dann versprüht die Paolinahütte ihren ganz besonderen Reiz. Mit drei Vierbett- und zwei Zweibettzimmern bietet sie Wanderern auf Mehrtagestouren oder Klettersteiggehern die Möglichkeit, am Berg zu übernachten und früh wieder aufzubrechen.

Vor allem im Morgen- oder Abendrot erleben die Gäste dann Momente, die vielen anderen vorenthalten bleiben. „Ich war schon an vielen Orten zum Wandern“, sagt Hermann Pichlers Ehefrau Martha: „Aber am schönsten haben wir es hier“. Und von dieser Schönheit kann sie auch nach vielen Jahren nicht genug bekommen. Wann immer die Zeit es zulässt, nimmt sie nicht den Lift, sondern geht zu Fuß zur Hütte und wieder zurück ins Tal. Und zieht dabei immer wieder die Kamera aus der Tasche. Wie viele Fotos dabei von der Paolinahütte vor dem Rosengartenpanorama in all der Zeit entstanden sind – das kann Martha beim besten Willen nicht sagen: „Es sind unzählige.“

2. Ladritscher Hof

Als Österreichs Kaiserin Sissi Ende des 19. Jahrhunderts im Grand Hotel Carezza ihren Sommerurlaub verbrachte, führte ihr Lieblingsweg am Ladritscher Hof vorbei. Damals hatte die Monarchin hier auf 1523 Metern Höhe am sonnenverwöhnten Hang vor dem majestätischen Massiv des Rosengartens zwar noch keine Möglichkeit zur Einkehr. Heute aber ist an einem der ältesten Höfe hier, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, einer der beliebtesten Hofschänke entstanden.

„Es hat sich einfach entwickelt“, sagt Andreas Obkircher, der vor über 20 Jahren den Hof von seinen Eltern übernommen hat. „Früher“, so erzählt er, „sind immer wieder Wanderer vorbeigekommen und haben nach einem Glas Buttermilch und einem Stück Speck gefragt.“ Für ihn war deshalb klar, dass er dem kleinen Bergbauernhof, der von Vieh- und Waldwirtschaft lebte, mit einem Hofschank ein zweites Standbein verleihen würde.

Vieles, was auf der Speisekarte steht, kommt aus eigener Produktion. Von den Schweinen und den Rindern in Mutterkuhhaltung kommt das Fleisch – etwa für den hausgemachten Burger, der sich bei den Gästen zum Klassiker entwickelt hat.

Von Anfang Juni bis Allerheiligen bietet der Ladritscher Hof Wanderern und Mountainbikern die Gelegenheit zur Rast mit einem atemberaubenden Ausblick auf den Latemar. „Wir liegen auf der Sonnenseite und haben Licht bis in den Abend“, sagt Andreas. Deshalb ist der Ladritscher Hof, der mittlerweile mit zwei Ferienwohnungen auch die Möglichkeit zum Urlaub bietet, der ideale Platz, um den Grill anzuwerfen.

Auch das hat sich hier einfach entwickelt. Aus dem Barbecue mit Freunden sind die Grill & Chill-Abende entstanden. Jeden Freitag im Sommer bereitet Andreas mit seinem Team im Smoker Spare Ribs, Fiorentina-Steaks oder geräucherte Forellen zu. Wenn sich dann im Abendlicht bei Livemusik der Latemar, rot einfärbt – und mit etwas Glück der Mond über den Bergrücken klettert – entstehen genau die Momente, die einen Eggental-Urlaub unvergesslich machen.

3. Hagner Alm

1.      Wenn Hansi Kafmann über Käse redet, dann fangen seine Augen an zu leuchten. Nicht unbedingt, weil der Käse der Hagneralm schon zahlreiche Juroren überzeugt und Wettbewerbe gewonnen hat, sondern weil er dann in seinem Metier ist. „Früher“, so erzählt er, „hat man auf jeder Alm Käse gemacht.“ Als die Wege noch lang und beschwerlich waren, musste die Milch im Sommer verarbeitet werden, bevor der Käse dann im Herbst ins Tal gebracht und verkauft werden konnte.

Er selbst aber hat erst vor rund 20 Jahren mit seiner Almkäserei angefangen – und wenn man die Resonanz seiner Kunden sieht, war das eine ziemlich gute Idee. „Fast jeder, der bei uns einkehrt, nimmt ein Stück Käse mit“, erzählt Hansi – und das ist vielleicht die größte Wertschätzung für die viele Mühe, die er sich damit gibt.

Wer an der Hagneralm vorbeikommt, der findet noch ein Stück heile Welt. Hier auf 1550 Metern Höhe mit einem traumhaften Ausblick auf Rosengarten und Latemar leben Menschen und Tiere im Einklang mit der Natur. Im Hofschank stehen eigene Produkte auf der Speisekarte. Und auch wenn die Hagneralm vom Nigerpass aus fast ohne Höhenmeter – sogar für Familien mit Kinderwagen – gut zu erreichen ist: Autos sind hier tabu. Für Wanderer und Mountainbiker lässt sich ein Besuch auf der Hagneralm, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, sowohl in entspannte als auch in längere und anspruchsvollere Touren einbauen.

Wer dabei mit Hansi ins Gespräch kommt, merkt schnell, warum er selbst seine Alm als „schönsten Platz am Rosengarten“ bezeichnet. Und kann dabei noch ziemlich viel über handwerklich gemachten Käse lernen. Für rund 2500 Kilogramm Käse, die Hansi im Jahr in zehn Sorten produziert, geben ein Dutzend Weidekühe um die 25000 Liter Milch.

„Man kann es mit der Produktion von Wein vergleichen“, erklärt Hansi. Während Großproduktionen standardisiert sein müssen, erfahren handwerkliche Produkte die nötige Zeit und Aufmerksamkeit, um einen eigenen Charakter zu entwickeln. Einen Käse anzuschneiden, ist deshalb auch für einen erfahrenen Käser wie Hansi immer mit einer gewissen Spannung verbunden. „Jeder Laib“, so sagt er „hat seinen ganz eigenen Geschmack.“

4. Latmor Alm

Die Kühe, die vor den Türen der Latmor Alm grasen, brauchen nicht viel. Aber trotzdem benötigen sie Wasser, Salzsteine zum Lecken und ein kleines bisschen Aufmerksamkeit. Und all das bekommen sie von Klemens Gruber und seinem Team.

2024 hat Klemens sich dazu entschlossen, die neu errichtete Hütte auf rund 1900 Metern Höhe zu pachten. „Mit allem Drum und Dran, was zu einer Alm gehört“, sagt er. Während draußen die Kühe grasen, hat Klemens aber auch genügend Zeit, sich um seine Küche kümmern, die sich nicht nur bei Urlaubern, sondern auch bei Einheimischen einen exzellenten Ruf erarbeitet hat.

„Bei uns gibt es nur natürliche Produkte“, erklärt Klemens seine Philosophie, die komplett auf Farb- und Konservierungsstoffe verzichtet. Wer nach einer Cola fragt, bekommt Mineralwasser mit selbst gemachtem Sirup aus Colakraut. Fleisch bezieht er vom familieneigenen Hof in Deutschnofen, Obst und Gemüse beliefern die Landwirtinnen und Landwirte vom Eggentaler Direktvermarktungsprojekt „Eggental Taste Local“.

Daraus zaubert Klemens immer frische, kreative und extrem leckere Gerichte – die im Sommer auf der sonnigen Terrasse in einer Idylle wie aus dem Bilderbuch serviert werden. Mittlerweile ist sogar das Brot, das vom Latmor-Alm-Team serviert wird, selbstgemacht. Es bekommt die nötige Liebe bei der Auswahl der Zutaten, genügend Zeit, um zu reifen und das richtige Handwerk, um im Backofen knusprig zu werden.

Kulinarische Gründe für einen Besuch der Latmor Alm nach einer Wanderung durchs Latemar-Labyrinth oder eine Mountainbike-Tour rund um den Karerpass gibt es also genug. Aber neben dem Panorama stimmen hier auch die Vibes. „Glück ist kein Ziel – Glück ist eine Art zu leben“, steht in Kreide geschrieben auf einer Tafel. Wer Klemens und seinem Team bei der Arbeit zusieht, kann diese Art in jeder Sekunde spüren.

5. Laurins Lounge

Es gibt so einige Rosengarten-Rookies, denen beim Anblick der Laurins Lounge der Atem stockt. Nicht aus Konditionsmangel – denn der Aufstieg zu Südtirols höchstgelegener Panoramaterrasse auf 2334 Metern könnte komfortabler kaum sein. Von Tiers oder Welschnofen aus überwinden die modernen Kabinenbahnen im Ski- und Wandergebiet Carezza mehr als 1000 Höhenmeter.

Reini Hinteregger, der mit seinem Team seit Sommer 2021 die Hütte bewirtschaftet, freut sich deshalb über nicht wenige Gäste, die einfach auf einen Drink vorbeikommen. Oder zum Mittagessen. Oder zu einem der zahlreichen Events. Oder zum fast schon legendären Laurins Brunch, der auf Vorbestellung jeden Vormittag im Angebot ist.

Wer auch immer etwas bestellt, kann sich sicher sein: das Küchenteam der Laurins Lounge legt allerhöchsten Wert auf Qualität und Regionalität. Einwegverpackungen werden konsequent vermieden, und die Lebensmittel kommen mit der Seilbahn nach oben – das Gemüse sogar direkt vom Bergler Acker, einem mit viel Leidenschaft betriebenen lokalen gemeinschaftlichen Landwirtschaftsprojekt in Tiers.

„Wenn wir das Privileg haben in einer solch einzigartigen Landschaft leben und arbeiten zu dürfen, dann ist es selbstverständlich, dass wir sie auch schützen wollen“, sagt Reini zum nachhaltigen Konzept der Laurins Lounge.

Es gibt also viele Gründe, die Laurins Lounge zu einem Lieblingsplatz im Eggental werden zu lassen. Eine Speisekarte, die zum Schlemmen einlädt etwa. Oder eine spektakuläre Aussicht direkt vor den Felswänden des Rosengartens. Und wer das Bedürfnis hat, trotz all der kulinarischen Versuchungen ins Kaloriendefizit zu kommen, hat die freie Auswahl. Beim Auf- und Abstieg zu Fuß zum Beispiel. Oder bei einer fast ebenen, alpinen Wanderung auf dem Hirzelsteig, einem der aussichtsreichsten Höhenwege Südtirols. Oder – eine solide Kondition und Trittsicherheit vorausgesetzt – bei der Umrundung des Rosengartens.

6. Stadlalm

„Meine Mama macht den besten Kuchen der Welt“, sagt Andreas Kircher, der auf der Stadlalm mit seinem verschmitzen Lächeln gerne in Superlativen schwelgt. Und dabei stolz ist, dass seine Mutter mit 88 Jahren noch immer jeden Tag an der Rührschüssel und am Backofen steht.

Es sind aber nicht nur die Kuchen, die die Stadlalm für Wanderer und Mountainbiker zum beliebten Rastplatz machen. Hier, wo sich der Ausblick sowohl auf den Rosengarten als auch auf den Latemar eröffnet, sieht es aus wie im Paradies. „Wir sind von Welschnofen, vom Karer See und von Obereggen aus zu Fuß in einer Stunde zu erreichen“, erklärt Andreas, der mit seiner Familie das Haus mit den vier Ferienwohnungen und dem Hofschank vor rund 20 Jahren gebaut hat.

Die Stadlalm zählt zu den wenigen Archehöfen Südtirol, auf dem vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen leben. Dunkle Bienen etwa, Zackelschafe, Pustertaler Sprinzen oder Sulmtaler Hühner. Die Produkte, die in der Küche der Stadlalm zubereitet werden, stammen deshalb überwiegend aus eigener Produktion, auch Salate, Gemüse und Kräuter kommen aus dem großen, liebevoll gepflegten und sonnenverwöhnten Garten.

Ein Urlaub in den Dolomiten könnte kaum besser schmecken. Und wenn Andreas sein Hirschgulasch auftischt, das aus Fleisch zubereitet ist, dass er selbst geschossen hat, dann merkt man, dass er nicht nur auf den Kuchen seiner Mutter stolz ist, sondern auch ein bisschen auf all das, was er sich mit seiner Familie hier aufgebaut hat.

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